Familie Kosian: So überlebten sie die Hölle von Khao Lak

31.12.2004

 

"Wir feiern unseren zweiten Geburtstag", sagt Jürgen Kosian (49) aus Wohltorf. Seit Mittwoch sind er und seine Familie wieder in Deutschland, liegen im Krankenhaus Reinbek St.-Adolf-Stift. Bevor die Kosians sich wieder in die Arme schließen konnten, durchlebten sie die Hölle.

 

Drei Wochen Urlaub hatten sie im Luxushotel Sofitel Magic Lagoon in Khao Lak gebucht. "Am Sonntag wollten meine Frau und ich am Strand frühstücken", erzählt Kosian. "Jemand rief uns zu, wir sollten aus dem Restaurant kommen, es gäbe ein Naturschauspiel." Das rettete dem Ehepaar das Leben.

 

"Niemand, der im Gebäude blieb, hat überlebt", sagt Kosian. Er und seine Frau Heidi (47) wurden von der Wucht der Welle in die Hotelanlage gespült. "Ich verlor Heidi aus den Augen, tauchte unter, stieß gegen herumwirbelnde Möbelstücke und Menschen, es war Chaos", sagt Kosian. Er wurde unter Wasser gezogen, geriet in eine Art Kellergewölbe. "In einem engen Raum schwamm ich eine Zeit lang knapp unter der Zimmerdecke, dort konnte ich atmen." Er dachte an seine Kinder. "Ich spürte neue Kraft, holte Luft und tauchte", so Kosian. Schließlich fand er einen Ausgang. "Als ich auftauchte, war nichts wie vorher, Totenstille, nur das Gurgeln des ablaufenden Wassers war zu hören." Er schwamm umher und rief nach seiner Familie.

 

Heidi Kosian kämpfte unterdessen um ihr Leben. "Als ich schließlich auf ein Dach gezogen wurde, dachte ich ,Mein Gott, wie soll die Kleine das nur schaffen?'" Nina (16) und Michele (8) waren morgens im Hotelzimmer geblieben. "Vor der Terrassentür stieg das Wasser plötzlich an", erinnert sich Nina. Sie setzte ihre Schwester auf das Bett. Als das Wasser die Tür sprengte und schnell bis zur Zimmerdecke reichte, konnte die auf der schwimmenden Matratze in einer Luftblase überleben. Auch Sohn Phil (15) schaffte es, sich in Sicherheit zu bringen.

 

In einem Krankenhaus traf sich die fünfköpfige Familie wieder. Wie durch ein Wunder wurde niemand schwer verletzt. "Ohne die Hilfe der Einheimischen hätten viele nicht überlebt", sagen sie. Thailänder schenkten ihnen Kleidung, trugen sie auf dem Rücken ins Hospital - obwohl auch sie gerade alles verloren hatten.